Kindheit forever!

Wer hätte gedacht, dass es so schwierig sein könnte, für ein Baby Spielzeug auszusuchen? Der Gang ins Babyland, den echten Namen des Geschäfts möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, sie gleichen sich sowieso alle. Am Wochenende betrat ich nun eines dieser Geschäfte, dies ich speziell auf Babies eingefuchst haben. Der Markt rund um das Kind ist heiß umkämpft, das war klar. Doch der um das Baby, kaum eine Woche alt, 0-36 Monate, ist es nicht minder.

Füchschen, Entenchen, Mäuschen, Schäfchen, Maulwürfchen, Elefantchen, sämtliches Getier hängt an der Wand, blinkt, klingt und singt, wenn man daran zieht.

Eigentlich sollte es eine ganz stinknormale Aufziehuhr sein, aus Plastik, da gut abwaschbar und somit nicht Sammelbecken für Keime. Spieluhr lautet heute der offizielle Name oder musical clock. Doch Simple und Einfach ist nicht mehr.

Die Spielwarenindustrie hat den Spieluhren rückwärts das Fell über die Ohren gezogen. Alles flauschig, weich muss es sein. Kuschlig und zum Knuddeln. Kuscheltiere mit eingebauter Spieluhr. Das ist der Trend. Und jedes bietet ein anderes Lied in unterschiedlicher Qualität dar. Gibt es da eigentlich auch Modelle für Einsteiger? Für Fortgeschrittene?

Auf meine Frage hin konnte mir die Verkäuferin bestätigen, dass sie einfache Spieluhren aus Plastik auch noch aus ihrer Kindheit kenne, aber sie hätte sie auch schon ewig nicht mehr gesehen. Weich muss es sein. Flauschig, kuschlig und zum Knuddeln. Wie soll ein Kind so je feste Formen lernen zu erkennen, die Umwelt in festen Formen begreifen lernen? Wo sind noch Grenzen, wenn alles nachgibt? Hygienebewusste Eltern müssten eigentlich Sturm laufen gegen die Industrie. Denn nicht nur die sensomotorischen Fähigkeiten des Kindes sind hier gefährdet, auch Keime können sich in den kuschligen Fellen vermehren, besonders gut in der Wärme des Kinderbettchens Bei einer glatten harten Oberfläche kann das nicht passieren, einmal feucht drübergewischt, schon ist die Gefahr gebannt.

Doch vielmehr als die kuschligen, plüschigen Genossen an der Wand, die manches Mal wohl eher den geheimen Auftrag hatten, das Kind in den Schlaf zu gruseln, statt zu wiegen, kann die Kundschaft oder besser ihr Verhalten abschrecken. Wird jeder erwachsene Kunde automatisch zum Kind, nur weil er einen Kinderladen betritt? Liegt es an den Bauklötzchen? Oder an Erinnerungen an die eigene Kindheit, die beim Greifen in die Stofftiere und dem Bestaunen der Bauklötzer wieder wach werden? Ich betrete den Laden am Nachmittag, manche Kunden scheinen schon den ganzen Tag hier herumzuwandeln. Es kann nicht nur an der großen Auswahl liegen. Mancher Kunde würde sich wohl auch gerne selbst noch das Plüschtier mit eingebauter Spieluhr übers Bett hängen. Auch wenn er mittlweile (hoffentlich?) nach anderen Dingen greift als nach der Kordel der Spieluhr.

Mein Eindruck: Kindheit ist heute keine Phase mehr, die man möglichst unbeschadet übersteht, sondern ein Dauerzustand.

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Veröffentlicht

…und ich habe beinahe nichts davon mitbekommen als Autor. Im Juni wurde meine Kurzgeschichte „Der Unfall“ als Beitrag zur Anthologie „Das Böse in mir“ im Saturia Verlag veröffentlicht. Natürlich wusste ich, dass den Kurzkrimi dorthin gesendet hatte und er lektoriert worden war. Nur das Datum der Veröffentlichung ging mir doch glatt durch die Lappen. Tja, so kann’s gehen. Da ist man veröffentlicht und weiß nichts davon. Dennoch herzlichen Dank an Saturia und Herausgeber Florian Krenn:)

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Wozu braucht’s noch die Grünen?

Bündnis 90/Die Grünen sind die erfolgreichste Partei Deutschlands, schwer zu glauben. Doch es ist wahr.

Keine andere Partei hat es in knapp 30 Jahren ihres Bestehens im deutschen Bundestag geschafft, ihre Positionen in allen anderen Parteien unterzubringen. Es gibt heute keine Partei in Deutschland, außer der AfD, die noch im Wahlprogramm ohne grüne Positionen auskommt: Klimaschutz, Umweltschutz, Gewässerschutz, nachhaltiges Wirtschaften, Atomausstieg und Tierschutz.

Ist es nicht das eigentliche Ziel von Parteien, ihre Positionen in die öffentliche Debatte und Regierungsarbeit einzubringen? Im Falle der Grünen müsste man sagen: Ziel voll erfüllt, Bestnote!

Eigentlich könnten sie sich auflösen. Doch perfiderweise machen die weiter. Wieso eigentlich?

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Die tiefere Bedeutung der Wandersocke

Geschenke kommen von Herzen, sagt man.  Mit ihnen wird ein bestimmter Sinn ausgedrückt, manchmal auch ein Wunsch. So tat es die Junge Union auf dem Deutschlandtag in Kiel als sie heute Bundeskanzlerin Merkel zum Abschied ein Paar blaue Wandersocken mit eingestickten Initialien und einen gelben Regenmantel mit auf den Weg gab. Angeblich, weil man ja wisse, Angela Merkel gehe ja so gern wandern in ihrer Freizeit.

Deutlicher kann man wohl jemandem nicht „Tschüss“ sagen, bzw. den Wunsch ausdrücken, er möge möglichst bald damit von der politischen Bühne „wegzuwandern.“

Blaue Wandersocken und ein Regenmantel. Ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Nein, ein Wink mit dem ganzen Zaun!

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Quelle: Welt.de

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Fliehkräfte namens Merkel

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble redet im Rahmen der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der Berliner Staatsoper von Fliehkräften in Europa. Diese gefährden das Projekt Europa. Dabei sitzt eine dieser Fliehkräfte in violettem Blazer direkt vor ihm: Angela Merkel und ihre Politik der unkontrollierten Zuwanderung, der Energiewenden über Nacht und ihr Regierungsstil ohne Erklärungen.

Sie hat die Fliehkräfte nicht entfacht. Nein. Wer das behauptet, ist nicht informiert und zieht keine Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart; sprich Finanzkrise, Privatisierungen, steigende Mietpreise. Aber sie tut auch nichts dafür, diese Fliehkräfte abzumildern. Ihr Politikstil ist wie Spiritus, der ins Feuer gegossen wird.

 

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…“die Lusche“…

Dr. med Karl Lauterbach, SPD, bezeichnet Hans Georg Maaßen (Präsident des Verfassungsschutzes) als „Lusche“ auf Twitter.

Lieber Herr Professor Lauterbach, lieber Genosse, ist das wirklich der gängige Sprachduktus eines Professors für Medizin und Politikers? „Lusche“ (anderes Wort für: Schlappschwanz)?  Er sollte es nicht sein. Gerade als Politiker sollte man mit gutem Beispiel vorangehen, zumindest im Sprachgebrauch. Dient ja auch der Integration. Auch wenn die Politik auf der anderen Seite an der Verkünstelung der Sprache, an der „political correctness“ leidet, wie wir ja wissen und oft von Wählern hören. Doch persönliche Beleidigungen, die auf die männliche Potenz abzielen, die gehen zu weit.

Meinst du nicht auch?

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Maß halten mit Maaßen

Der Streit um Verfassungsschutzpräsident Hans Georg Maaßen schlägt Kapriolen. Die Aburteilung in der Talkshow Anne Will vom 16.9.2018 und auch die Sendung Maybritt Illner vom 15.9.2018 wirkten wie die TV-Schiedsgerichte. Wer am meisten Applaus für sein Urteil findet, hat gewonnen.

Nichts ist bisher bewiesen: Weder seine angebliche Nähe zur AfD, noch dass er das Video aus Chemnitz absichtlich falsch bewertete. Sein einziger Fehler, er widersprach der Kanzlerin. Das allein genügt offenbar, um ihn zur persona non grata zu machen.

Ich fühle mich über alle Ma(a)ßen an den verstorbenen englischen Theaterautor und Drehbuchautor Arthur Miller erinnert, dessen Stück „Hexenjagd“ (engl. The Crucible) ein Klassiker ist.

Es braucht nur eine Person im Dorf, die in Ungnade gefallen ist. Sofort stürzen sich die anderen auf sie, jeder hat eine Rechnung mit ihr offen, man rottet sich zusammen, jeder will sie plötzlich mit dem Teufel tanzen gesehen haben. Alles auch um von der eigenen schmutzigen Wäsche im Hinterhof abzulenken. Einigkeit und seltsam einhellige Meinungen sind das Maß aller Dinge im Kampf gegen den erklärten gemeinsamen Feind. Einhellig ist das Urteil: Todesstrafe! (Oder wie im Fall von H.G. Maaßen: Verlust des Arbeitsplatzes.)

Mr. Miller wäre sehr erstaunt, wenn er sehen könnte, sein Stück braucht keine große Bühne, sondern nur sechs Stühle, einen Moderator, eine Kamera und ein Publikum, das für alles klatscht.

 

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